Smartwatches und Fitness-Uhren – was ist eigentlich der Unterschied? | Gastartikel

„Entschuldigen Sie bitte, wie viel Uhr ist es?“ Ein Blick auf die Armbanduhr. „Es ist kurz vor halb vier.“ „Ah ja, vielen Dank!“

Vor ein paar Jahren gab es solche Gespräche zwischen Fremden immer mal wieder. Heute haben die meisten Menschen ein Smartphone, auf dem die Uhrzeit angezeigt wird – definitiv mehr, als eine Armbanduhr tragen. Somit kommen heute solche Konversationen seltener vor.

Und noch etwas hat sich geändert:
Anstatt nach der Uhrzeit könnte man heute auch nach dem Wetter fragen, nach der Herzfrequenz des Armbanduhr-Trägers oder danach, wie es gerade bei Bayern gegen Dortmund steht. Während früher Armbanduhren nämlich meist nur die Zeit anzeigen konnten – und einige vielleicht noch das Datum – gibt es heute Smartwatches und Fitness-Uhren, die so einiges mehr können und eine große Zahl verschiedener Funktionen aufweisen.

Während fast jeder schon einmal von diesen neuen Uhren-Typen gehört hat, die meisten jemand kennen der eine besitzt und manche auch selber eine haben, ist nicht allen klar: Was macht eigentlich Smartwatches und Fitness-Uhren aus, und wodurch unterscheiden sie sich voneinander? Genau darum geht es in diesem Artikel.

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Smartwatches – eine junge Produktgruppe

Die Anfänge der Smartwatches reichen bis in die Siebziger Jahre zurück, als die japanische Firma Seiko die erste Armbanduhr mit digitaler LCD-Anzeige herstellte (Quelle). Diese Uhren konnten allerdings wenig mehr als die Zeit anzuzeigen. Mit der Entstehung der Smartphones eröffneten sich durch die kabellose Verbindungsmöglichkeiten mit dem Telefon neue Nutzungspotenziale. So veröffentlichte SonyEricsson 2010 die LiveView, die keine eigenen Funktionen aufwies, sondern als externes Display für Smartphones diente, über Bluetooth angeschlossen.

Smartwatches, wie wir sie heute kennen, sind eine sehr junge Produktgruppe: 2013 brachte das Startup Pebble seine erste Smartwatch an den Markt. Vorausgegangen war eine Kickstarter-Kampagne, mit der das nötige „Kleingeld“ für die Entwicklung und den Markt-Launch eingesammelt wurde. In den wenigen Folgejahren haben dann sehr viele weitere Elektronik-Unternehmen eigene Smartwatches entwickelt und auf den Markt gebracht, darunter Samsung, Motorola, Sony, Asus, Huawei und LG – im Wesentlichen die gleichen Unternehmen, die auch Smartphones anbieten. Begleitet von großen Erwartungen reihte sich natürlich auch Apple Anfang 2015 mit seiner Apple Watch in die Riege der Smartwatch-Hersteller ein.

Entstehung der Fitness-Uhren aus Fitnesstrackern und Pulsuhren

Fitness-Uhren haben ihre Wurzeln in zwei verschiedenen Feldern: Aktivitätstracker und Pulsuhren. Der erste Aktivitätstracker, der sich eines Bewegungssensors bedient, wurde von Fitbit 2009 auf den Markt gebracht. Die ersten Pulsuhren wurden bereits in den Achtziger Jahren entwickelt.
Hinter beiden stecken zunächst einmal unterschiedliche Konzepte: Aktivitätstracker sind dazu gedacht, das Aktivitätsniveau des Nutzers im Alltag zu ermitteln und ihn zu motivieren sich mehr zu bewegen sowie insgesamt gesünder zu leben. Pulsuhren werden von Sportlern eingesetzt, um gezielt trainieren zu können und so den Trainingseffekt zu erhöhen.

Diese beiden Konzepte wurden immer weiter ausgebaut und auch kombiniert, sodass es heute zwei Arten von Fitness-Uhren gibt: Fitnessarmbänder und Trainingscomputer. Fitnessarmbänder haben in der Regel relativ kleine Displays (manchmal auch gar keine) und sind in erster Linie dazu gedacht, die Aktivität des Trägers zu messen (meist durch Zählen der zurückgelegten Schritte), den Kalorienverbrauch zu schätzen und die Schlafaktivität aufzuzeichnen. Trainingscomputer hingegen sollen Sportler vor allem beim Workout unterstützen, das heißt sie sollen die Workouts aufzeichnen und bei der richtigen „Trainingsdosierung“ helfen. Dafür verfügen sie über größere Displays, auf dem Auswertungen teils auch schon angezeigt werden können. Beide Typen weisen jedoch auch Funktionen auf, die eher zum anderen Typ gehören – Fitness-Armbänder können auch Workouts aufzeichnen und messen oft den Puls, Trainingscomputer zählen auch die Schritte im Alltag und tracken den Schlaf.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Smartwatches und Fitness-Uhren

Smartwatches und Fitness-Uhren unterscheiden sich in ihren Einsatzzwecken und somit auch in ihren Eigenschaften.

Einsatzzweck und Eigenschaften von Smartwatches

Smartwatches verfolgen einen generischen Ansatz – sie sind Alles-Könner. Sie sollen zunächst einmal die Funktionalität des Smartphones sinnvoll ergänzen und die Nutzungsmöglichkeiten erweitern. Dabei sind sie meist keine dauerhaft eigenständigen Geräte, sondern funktionieren oft erst im Zusammenspiel mit dem Smartphone richtig gut.

So werden Apps, die auf dem Smartphone liegen, auf der Smartwatch „gespiegelt“, weshalb man das Telefon nicht immer aus der Tasche holen muss – wenn zum Beispiel eine Nachricht eingeht, man kurz die Wetteraussichten oder die Nachrichten checken möchte oder man das Abspielen der Musik steuern möchte. Über die „Ergänzung“ der Nutzungsmöglichkeiten des Smartphones hinaus erschlieflen sich durch das „Wearable“ am Handgelenk auch neue Funktionalitäten. Eine wichtige davon ist die Messung der Herzfrequenz und das Registrieren der Bewegungen bzw. der Aktivität. Eine weitere ist die Nutzung für das bargeldlose Bezahlen per NFC-Chip.

Einsatzzweck und Eigenschaften von Fitness-Uhren

Fitness-Uhren sind hauptsächlich dazu gedacht, Aktivitäten und Workouts aufzuzeichnen und den Nutzer zu mehr Bewegung zu motivieren. Darauf sind auch die Funktionen der Fitness-Uhren ausgerichtet. Der Bewegungssensor ist ein zentrales Element, um zum Beispiel die Anzahl zurückgelegter Schritte zu zählen, im Fokus steht auch das Messen der Herzfrequenz und die Aufzeichnung der Trainingsroute über GPS.

Da die Fitness-Uhren in ihrem Einsatzzweck deutlich eingeschränkter sind als die Smartwatches, weisen sie auch weniger Funktionen auf. Dennoch verfügen Fitness-Uhren zunehmend auch über Smartwatch-Funktionen, die meistens relativ einfach gehalten, aber dennoch nützlich sind. So werden zum Beispiel Kalendereinträge und eingehende Nachrichten angezeigt oder man kann das Abspielen von Musik steuern.

Unterschiede zwischen beiden Uhren-Typen

Die Funktionalitäten der Smartwatches und Fitness-Uhren überschneiden sich. Folgende Unterschiede gibt es aber meistens zwischen beiden Gerätearten, anhand derer Du beurteilen kannst, ob Du eine Smartwatch oder eine Fitness-Uhr vor Dir hast:

  • Display: Smartwatches haben fast immer hoch auflösende Touch-Displays, während Fitness-Uhren geringere Auflösungen aufweisen und oft auch – im Fall von Fitness-Armbändern – über kleinere Displays verfügen.
  • Akkulaufzeit: Die Akkulaufzeit von Smartwatches beträgt nur selten mehr als wenige Tage, während sie bei Fitness-Uhren meist höher liegt und stark variieren kann – von fünf Tagen bis zu einem Jahr.
  • Prozessor: Smartwatches haben meist schnellere Prozessoren, um komplexere Aufgaben schneller zu erledigen.
  • Apps: Für Smartwatches gibt es mehr Apps, was u.a. durch das größere Display ermöglicht wird. Zudem weisen Smartwatches umfangreichere Betriebssysteme wie watchOS oder Android Wear auf.
  • Preis: Ein wichtiger Unterschied zwischen Smartwatches und Fitness-Uhren liegt auch im Preis. Smartwatches sind oft um einiges teuer als Fitness-Uhren, die im Fall einfacher Fitness-Armbänder bereits ab knapp 50 Euro erhältlich sind. Die teureren Trainingscomputer kosten dann 150 Euro und mehr. Für Smartwatches muss man meist mehrere hundert Euro auf den Tisch legen.
  • Design: Es gibt Ausnahmen (z.B. die Fitness-Uhr Fitbit Blaze), doch im Allgemeinen kann man sagen, dass das Design von Fitness-Uhren mehr auf Funktionalität und von Smartwatches mehr auf Ästhetik ausgelegt ist.
  • Funktionen: Es gibt Unterschiede in der Ausstattung zwischen Fitness-Uhren und Smartwatches:
    • Smartwatches verfügen über Funktionen, über die Fitness-Uhren nicht verfügen, ein Beispiel ist das bargeldlose Bezahlen per NFC-Chip. Mit einer Smartwatch kann man Informationen zudem nicht nur anzeigen, sondern auch aktiv verändern – zum Beispiel kann man mit einer Smartwatch Kalendereinträge anlegen, mit einer Fitness-Uhr (wenn überhaupt) sie lediglich ansehen.
      Außerdem verfügen Smartwatches im Gegensatz zu Fitness-Uhren teilweise auch über eine eigene W-LAN-Verbindung, was sie eigenständiger macht.
    • Unterschiede zwischen Smartwatches und Fitness-Armbändern: Fitness-Armbänder sind deutlich leichter als die meisten Smartwatches und wiegen teilweise nur 25 Gramm oder sogar weniger. Abgesehen vom geringen Gewicht haben sie auch geringe Maße (d.h. sie sind sehr dünn), sodass man sie leicht zusätzlich zu einer Armbanduhr tragen kann.
    • Unterschiede zwischen Smartwatches und Trainingscomputern: Wenn die Fitness-Uhr ein Trainingscomputer ist, weist dieser in aller Regel umfangreiche Auswertungs- und Analysemöglichkeiten für Workouts auf, die die von Smartwatches in der Regel übersteigen. Zudem verfügen Trainingscomputer im Unterschied zu Smartwatches meist über GPS und haben oft die Option, einen externen Herzfrequenzsensor oder auch noch weitere Sensoren wie Trittsensoren fürs Fahrrad anzuschliessen

Wie geht es in Zukunft weiter –
und welcher Gerätetyp ist für Dich der Richtige?

Die Grenzen zwischen den beiden Produkttypen Smartwatches und Fitness-Uhren werden vermutlich immer weiter verschwimmen – Fitness-Uhren werden immer mehr Funktionalitäten von Smartwatches übernehmen, so wie sich dies im Trend bereits in der jüngeren Vergangenheit abgezeichnet hat. Gleichzeitig werden Smartwatches als „Beiwerk“ immer umfangreichere Aktivitäts-Tracking-Möglichkeiten und Optionen zur Workout-Unterstützung erhalten. Ein Gerät, das sich schon heute an der Grenze zwischen den beiden Typen befindet, ist die Fitbit Blaze.

Die Frage, was für Dich empfehlenswert ist, ist relativ einfach zu beantworten:

  • Wenn Dir die oben beschriebenen umfangreichen Funktionalitäten wichtig sind, Du ein Display mit hoher Auflösung willst und Du gleichzeitig bereit bist, etwas mehr zu zahlen und eine meist kürzere Akkulaufzeit in Kauf zu nehmen, solltest Du Dir eine Smartwatch zulegen.
  • Bei den Fitness-Uhren gibt es zwei unterschiedliche Fälle:
    • Wenn Du lediglich einen leichten Begleiter im Alltag haben willst, der Deine Aktivitäten aufzeichnet und Dich motiviert, kommt für Dich ein Fitness-Armband in Frage – das ist auch die kostengünstigste Variante.
    • Wenn Du eine Uhr suchst, die Dich bei Deinen sportlichen Aktivitäten unterstützt und diese aufzeichnet (und die gleichzeitig auch viele Smartwatch-Features aufweist), ist wahrscheinlich ein Trainingscomputer für Dich die richtige Wahl.

Mehr Informationen zu Fitness-Uhren findest Du auf www.fitness-uhr.net – mit Testberichten und einem Vergleich der besten Modelle.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde diese Dinger megacool. Meine Frau und ich haben uns zusammen ein Tracker gekauft, der unsere Schritte am Tag mitzählt und anzeigt wie wir geschlafen haben mit Tiefschlafphasen etc. Ist auf jedenfall interessant zusehen wie weit man am Tag eigentlich läuft und wie man schläft. Ist zwar ein wenig anders als ein direktes Fitnessarmband aber sehr ähnlich

  2. Ich habe auch vor,mir eine Fitnessuhr zu besorgen,da ich immer mehr Menschen sehe die sowas in Fitnesstudios tragen.Der Artikel hat mir schon geholfen.

  3. Hallo Senad,
    klasse Artikel! Ich war immer etwas … naja ich sag mal „faul“ :-D. Musste aber aufgrund meiner Gesundheit den inneren Schweinehund überwinden und Sport treiben. Habe mir dann eine Polar M400 geholt und ich muss sagen die Dinger sind super! Klasse Motivation und Überwachung des Pulses. Genau nach sowas hatte ich gesucht. Daraufhin habe ich beschlossen auch eine Internetseite aufzubauen, wo ich mit der Zeit auch verschiedene Sportuhren Teste und bewerte, aber jetzt gilt es den inneren Schweinehund zu überwinden endlich einen Testbericht zu schreiben 😀

    Naja aber ich hoffe das wird auch bald was 🙂

    Lieben Gruß
    Andy

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